Der Mensch ist ein gemeines, ähem geselliges Wesen. Wo Menschen aufeinandertreffen findet Begegnung statt. Aus Begegnungen entstehen Bekanntschaften und gemeinsam kann man stark sein. Deswegen gibt es auch viele „Orte der Begegnung“, „Begegnungsstätten“ oder „Zeiten der Begegnung“. In früheren Zeiten nannte man es Marktplatz oder noch früher Forum. Im Wortstamm von Begegnung steckt aber das kleine Wörtchen gegen.
Nicht immer entsteht nämlich das Gewünschte, sondern das Gegenteil: Menschen haben unterschiedliche Interessen und versuchen sie gegeneinander durchzusetzen. Ort der Begegnung sind daher m.E. in erster Linie Orte der Gegensätze. Leider sind diese Situationen oft unschön, es sind schon Feindschaften und Kriege aus solchen Konstellationen entstanden. Nicht jeder Erwachsene kann solche Konflikte ertragen und sie konstruktiv lösen. Stattdessen spielen viele Menschen gerne Gericht.
Die Grundregel hierfür lautet:
Sieh zu, dass Du niemals an etwas schuld bist. Falls Dich aber doch jemand anklagt, reiche sofort eine Gegenklage ein.
Manchmal gehen diese Streitigkeiten wirklich bis zum Gericht, aber das meine ich nicht. Die meisten Streithähne suchen sich einen Richter. Manchmal ist der Richter eine Gruppe Verbündeter (Der Stärkste gewinnt). Manchmal aber werden auch private Tribunale eingerichtet. In Objekten der Freizeitbeschäftigung ist dies ein beliebtes Spiel. Auf diese Weise versucht man Streitigkeiten zu lösen, indem z.B. ein Gremium oder ein Rat zusammengestellt wird, der Konflikte lösen soll.
Mittels dieser Scheinautorität werden Urteile gefällt, übler als es jeder Richter täte, ohne jedes Fundament. So etwas führt nur zu neuem Streit und löst keinen Konflikt. Eltern von Geschwisterkindern wissen das: Sie können keinen Streit lösen. Tun sie es doch, dann wird ihnen der nächste bedeutungslose Konflikt delegiert. Am Ende tagt das Gericht dauerhaft.
Die Ursache für dieses Phänomen liegt in einer Unfähigkeit, auf eine noch so blöde Anschuldigung einfach nicht zu reagieren. Kinder müssen ihren Streit selber lösen. Spielen die Eltern Richter, werden sie nach jedem Urteil in Revision gehen müssen. Auch im Erwachsenenleben ist das überall so: Wo Hierarchien existieren, werden sie für Gerichtsspiele genutzt.
Steigen Sie einfach aus, spielen Sie nicht Richter (besonders vorsichtig wäre ich, wenn jemand die Einrichtung eines Tribunals als „neutrale“ Instanz fordert) und ertragen Sie Schuldzuweisungen durch souveräne Ignoranz. Tun sie das nicht, beklagen Sie sich nicht. Ich habs Ihnen gesagt.