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Archiv für Juni 2008

Neurituelle

28. Juni 2008 weberknecht Kommentieren

Die Aufhebung der Indultpflicht zur Feier des Alten Ritus, die sich nun bald zum ersten Mal jährt, zeigt Wirkung. Im neurituellen Forum katholon.net beklagt sich ein Schreiber über die päpstlichen Personalentscheidungen, die seiner Ansicht nach immer wieder eine Grundrichtung zur Alten Messe zeigen. Frustriert meint er:
„Burke – das füge ich jetzt hinzu – ist einer der konservatisten US-Bischöfe und ein erklärter Förderer der außergewöhnlichen Form der Messe, … Was treibt den Papst dazu? Über kurz oder lang wird er selbst ja dann wohl auch „alte“ Messen im Petersdom oder zumindest erst mal beim römischen Ableger der Petrus-Bruderschaft lesen … „

Auch eine andere Schreiberin, im weiteren Diskussionsverlauf sich als „Religionslehrerin“ bezeichnend, äußer sich frustriert über die römischen Strömungen. Sie gibt ihr Dogma wie folgt zum Besten:

„Ich sehe (leider) im Moment folgende Tendenz: Die kritischen Katholiken, die in 80er und 90er Jahren prägend waren, ziehen sich langsam aber sicher zurück und „werden unsichtbar“ bzw. verlassen die Kirche, es bleiben die konservativen Gruppierungen, die lautstark ihr Recht fordern und von vielen Bischöfen – und offensichtlich sogar vom Papst – unterstützt werden.
Meine Kirche ist das nicht mehr!“

Das Kernanliegen der modernen Fraktion ist, dass nicht die Menschen zur Kirche kommen sollen, sondern die Kirche zu den Menschen. Dahinter steht der (prinzipiell richtige) Ansatz, dass das Kirchenvolk die zu Bekehrenden dort abholen soll, wo sie stehen; das heisst, die Wahl der Wort und insgesamt die Kommunikation so gestalten, dass der Andere auch versteht, was gemeint ist.

Die Zitate oben zeigen aber, dass sich dieser Ansatz längst verselbständigt hat, und das Kirchenvolk dort, wo es die Menschen stehen sah, eigene Wurzeln geschlagen hat. Stattdessen wird der Standort der Kirche, wie er immer war, für ungültig erklärt, und der eigene als Maß aller Dinge. Einher geht natürlich ein Weltbild der Unterscheidung zwischen Gut und Böse – pardon – zwischen Modern und Konservativ.

Auffällig sind auch zahlreiche Drohgebärden auf der Beziehungsebene: „Die kritischen Katholiken… ziehen sich langsam aber sicher zurück und … verlassen die Kirche“. Hier wird in Richtung der anderen Fraktion eine Drohung ausgesprochen: Wenn Du nicht tust, was ich sage, dann geh ich. Na fein; soll ich jetzt meinen was Du meinst, damit Du bleibst?
Nun, ich habe lange überlegt, was mich an der Kirche über zwei Jahrzehnte gestört hat. Es sind nicht die kirchlichen Dogmen gewesen. Es ist diese subtile Form der Erpressung gewesen, die ich wahrgenommen, aber lange nicht richtig erkannt habe; äußerten sie doch „offizielle“ Vertreter. Ein frischgebackener Pater schrieb mal kurz nach seiner Weihe in der Lokalzeitung, befragt nach seiner Motivation: „Die Kirche habe viele Fehler gemacht, sie müsse sich ändern, sonst werde sie bald nicht mehr existieren“. Erstaunlich, dass die Kirche 2000 Jahre auf so ein Rosabäckchen warten musste, welches sich ansonsten nur durch Faulenzerei und Schmarotzertum hervortat.

Was an der ganzen Angelegenheit allerdings sehr erfreulich ist, das ist die zunehmende Wendung im Stimmungsbild einiger Diskutanten, die ich früher eher als Ablehner des Alten Ritus wahrgenommen habe. Einer schreibt, sehr zutreffend:

„Der Begriff »konservativ« paßt ausgezeichnet auf Heerscharen alternder GemeindereferentInnen, die entgeistert zuschauen, wenn junge Leute … nicht die letzte geistliche Wonne in den alten Hüten Mandala-Ausmalen, Labyrinth-Begehen, gemeinsames Hochgebetmitsprechen und Gendermainstreaming, sondern zum Beispiel in der Römischen Litugrie finden.“

Und weiter:

„Denn die kirchliche Situation ist … dramatisch. Es ist nicht mehr die liberale Revolution, die die Pastoral durchweht; es ist vielmehr die wurzelvergessene Fahrigkeit, die alles prägt – von den schlimmsten liturgischen Entgleisungen bis hin zur völlig konzeptionslosen Fusionspolitik der Bistumsleitung; ja, bis hin zur intoleranten Haltung gegenüber Frömmigkeitsformen, die man am liebsten ganz in die Rumpelkammer schließen will: Kommunionspendung in den Mund, viele Formen der eucharistischen und der marianischen Frömmigkeit, der ritengetreuen Ars Celebrandi, die einfachsten Glaubenswahrheiten (Ablaßlehre) nicht zu vergessen …“

Nun, der geneigte Leser könnte fragen, warum ich das hier schreibe und ob ich mich nicht im katholon.net an der Diskussion beteilige. katholon.net ist in der Tat das einzige Forum, in dem ich noch nicht mal einen gesperrten Account habe. Und das bleibt auch so.

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Beleidigt sein

23. Juni 2008 weberknecht Kommentieren

Kennen Sie das Spiel, beleidigt zu sein? Kinder beherrschen es par excellence, aber auch Erwachsene können gut den Mund zu einem schmalen Strich verwandeln, wenn es nicht nach ihren Vorstellungen verläuft. Das Unwohlsein wird dabei sozialisiert: Wenn ich mich schlecht fühle, soll es Euch auch nicht besser ergehen. So beginnt ein Machtkampf. Der Beleidigte, sich nicht anders zu helfen wissend, entzieht dem Anderen die Liebe. Kümmert sich dieser um den Beleidigten und versucht ihm zu helfen indem er nett ist und Gutes tut, erstarrt der Beleidigte in seiner erfolgreichen Rolle. Funktioniert das Schema gut, wird der Beleidigte immer häufiger beleidigt sein, denn die Waffe ist ja äußerst wirksam.

Gute Schauspieler könnten eine Reaktion als Aufforderung auffassen, die eigene Rolle deutlicher zu spielen, und fortan als wandelnder Vorwurf durch die Welt zu schreiten. Das Mittel zur Entwaffnung eines Beleidigten ist: einfach zu tun, als sei alles in Ordnung. Es hilft es nichts, aber auch gar nichts, auf das Spiel des Beleidigten in irgendeiner Weise einzugehen. Irgendwann gibt er schließlich auf.

Fatal ist das Ganze auch, wenn die Retourkutsche naht: „Eben wolltest Du nicht, jetzt will ich nicht“. Damit tauscht man nur die Rollen. Für den Beleidigten ist es wichtig, beleidigt zu sein, aber es ist sein Ding. Gibt er auf, kann man ganz normal im Text weitermachen.

Soweit zur Kinderpsychologie, die sich auch auf Erwachsene problemlos anwenden lässt.

Kategorien:Allgemeines

In between

11. Juni 2008 weberknecht Kommentieren

Längere Zeit habe ich nichts mehr geschrieben, und wie sich der geneigte Leser denken kann, gibt es andereweitige Aufgaben, die den Grund für meinen Absentismus darstellen. Zwischenzeitlich habe ich auch den Focus auf die diversen Forensysteme etwas aus den Augen verloren, was aber – wie ich einschätze – nicht besonders schlimm ist ( im Gegenteil. Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass man auch in den Forensystemen nicht sonderlich betrübt darüber ist…)

Neulich habe ich die Seiten eines gewissen sedivakantistischen Paters aufgerufen. Er ist mir bereits in den letzten Jahren immer wieder einmal aufgefallen, doch nun hat er sich durch seine zwar intelligenten, aber jegliche Höflichkeitsformen ignorierenden Beiträge im Netz offenbar in eine echte Zwangslage gebracht. Vordergründig könnte man den gerichtlichen Urteilen zustimmen, wenn man seine oft triefenden Spotttiraden liest. Nun aber habe ich ein Video gesehen, auf dem er erheblich abgemagert eine seiner Predigten vorliest. Ich fürchte, da wird ein Mensch zu Grunde gerichtet, weil er sich komplett außerhalb der Gesellschaft stellt. Er tut mir leid, ich würde ihm gerne helfen, auch wenn ich seine Art nicht unterstütze.

Kategorien:Kirche