„Die Zahl der Orte bzw. der Kirchen ist durchweg gering, gleiches gilt für die Zahl der teilnehmenden Gläubigen. Der Vergleich mit einer früheren Umfrage von 1993 macht deutlich, daß die Nachfrage der Gläubigen auf sehr niedrigem Zahlenniveau stabil ist“, meldete die Deutsche Bischofskonferenz während der Vollversammlung in Fulda im September 2006 zu der Frage nach dem Interesse an der Alten Messe.
Demgegenüber – ich selber habe mich mit diesem Thema seit etwa 2002 beschäftigt – haben die Anhänger der Alten Messe sich immer wieder Behinderungen ausgesetzt gefühlt. Im Wesentlichen versuchte man, durch Verweigerung der Genehmigung des bischöflichen Indultes sowie durch Werbeverbote, das Interesse an der Alten Messe in den Größenordnungen zu halten, die dann hinterher von der DBK vermeldet wurden.
Als Papst Benedikt am 7. Juli vergangenen Jahres den altehrwürdigen Ritus der lateinischen Kirche wieder allgemein freigegeben hatte, konnte man ein Pfeifen der Gegner dieses Ritus im Dunkeln vernehmen. Vielfach machte man sich Mut und empfahl Gelassenheit als probates Mittel gegen den nun einsetzenden Wandel. Das fehlende Interesse wurde gebetsmühlenartig beschworen, ebenso konnte man in den zahlreichen Hinweisen der Kirchenzeitungen, Pfarrbriefe, Pfarrgemeinderatssitzungen sowie Predigten beruhigende Hinweise, für die örtliche Gemeinde ändere sich nichts, und es bestehe kein Grund zur Aufregung. Die wenigen Wortmeldungen wurden adäquat herausgefiltert und immer wieder mit dem fehlenden Interesse platt gemacht.
Jetzt, ein halbes Jahr später, mehren sich die Stimmen, die von zahlreichen Messen im Alten Ritus an völlig unerwarteten Orten berichten. Zuletzt ein naher Bekannter, der sich mit dem Thema vorher noch nie beschäftigt hat, und von dem erhabenen Gefühl einer Weihnachtsmesse im Alten Ritus berichtete. Anfangs skeptisch, hat die Kraft des Ritus ihn ohne viele Argumente überzeugt.
Auch dieser Bericht ist typisch:
„Die Adelhauser Kirche, eine ehemalige dominikanische Klosterkirche, war brechend voll und mancher Gläubige musste sich mit einem Stehplatz begnügen. Wegen des unerwartet großen Andrangs gingen sogar die Hostien aus, so dass Priester zum Tabernakel gehen und weitere holen musste. Der Zelebrant, ein engagierter Pensionär hielt eine großartige Predigt und unter den hunderten Gläubigen gab es schon oder noch einige, die die Gregorianischen Choräle singen konnten.
Nach der Messe standen die Gläubigen in Gruppen auf dem Klosterplatz und unterhielten sich. Kaum jemand hatte geglaubt, dass wir so viele sind. Auch der Südwestrundfunk war mit einem Reporter vor Ort und fand kompetente Ansprechpartner.“
Das verunsichert naturgemäß einen Großteil der Skeptiker, die bisher dem ungeschriebenen Dogma folgten, das Gottesvolk sei mit unfassbaren Vereinfachungen des Katholischen zu beglücken. Wie passt das zu der These, es gebe kein Interesse am Alten Ritus?
Die aktuelle Antwort geht – wie damals in der DDR, als die Betonköpfe nicht einsehen wollten, dass sie verloren hatten – davon aus, das alles nur vorübergehend sei. Nachdem die Verbote nichts nutzten, wird nun verharmlost und auf Zeit gespielt. Dass sie längst verloren haben, das wissen sie nur noch nicht. Das folgende Zitat einer neoliturgischen Forumsschreiberin, spricht für die Denkweise:
„Das war zu erwarten: alles Neue zieht erst einmal Schaulustige an. Das wird sich nach und nach beruhigen. Wahrscheinlich werden zum Schluss nur die Bewohner des nahegelegenen Altenheims übrigbleiben, aber selbst die gehen lieber ins Münster, das ja auch nur einen Katzensprung entfernt ist. Wer dann noch kommt, sind Leute, die lieber Show als Gottesdienst haben.“
Betont wird ferner, dass sich die Freiburger „bewusst Priester für die Messfeier nach dem Römischen Messbuch von 1962 gesucht und gefunden, die den seit vierzig Jahren geltenden Ritus, der die Mitfeiernden stärker als ehedem beteiligt, nicht in Frage stellen.“
Jene also, die durch die liturgische Bewegung des 20. Jahrhunderts für sich das Recht beanspruchten, die Alte Messe in Frage zu stellen, sind sich heute nicht zu schade, um die Neue Messe zu tabuisieren. Sie sind so widersprüchlich, so von sich selbst überzeugt, sie merken es nicht mehr.
Hier kann man einerseits die fehlende Wertschätzung für alte Menschen herauslesen. Aber es ist nachweislich nicht so. Der Alte Ritus wird vom gleichen Bevölkerungsquerschnitt wie der Neue Ritus besucht, es sind eher die jungen Menschen, die in die Alte Messe gehen, weil sie die liturgische Verarmung satt haben, um Alten Ritus das gefunden haben, wonach sie so lange gesucht haben.
„Raffaele Nogaro, 73-jähriger Bischof im süditalienischen Caserta, brachte es im vergangenen September auf den Punkt: „Lateinisches Gebrummel hilft keinem.“"
Auch hier eine unsachliche Herabsetzung des überlieferten Ritus, der sich seit Gregor dem Großen entwickelt hat, und die zentrale Gottesdienstform der lateinischen Kirche geworden ist. Im Gegensatz zu den Neoliturgikern, die die Alte Messe verbieten wollen, gibt es eine vergleichbare Forderung der Altrituellen nicht. Letztere kritisieren die Neue Messe mit theologischen Argumenten, mitunter auch ästhetisch. Aber nur in nicht in voller Einheit mit Rom stehenden Gemeinschaften wie der Piusbruderschaft greift man mitunter zur Polemik, die z.B. dem Neuen Ritus nationalgesinnte Deutschtümelei vorwirft, die durch die Forderung nach der Volkssprache entstanden sei.