Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt
dann gib klein bei und laufe weg.
Manchmal gibt es noch interessante – oder besser gesagt: mich interessierende – Themen in Diskussionsforen. Unter der Überschrift:
Boah mann ich hab keinen BOCK MEHR….., ….wieso ist die RKK z Zt DER Prügelknabe??
lässt eine Schreiberin ihren Frust los:
Ich hab einfach keinen BOCK MEHR. Warum können wir Katholiken nicht, wie die Evangelen, FRIEDLICH unseren Glauben praktizieren, ohne STÄNDIG(!!!) von allen Seiten ANGEGRIFFEN und in die Ecke getrieben zu werden, dauernd muss ich mich auch hier in der Firma „rechtfertigen“ …
Vielleicht hängt es ja auch damit zusammen, dass man nicht mit jedem und zu jeder Zeit über den Glauben reden muss. Ich kenne genügend Leute, die mir einen Köder hinwerfen wollen, den ich schlucken soll, damit sie ihren Spass haben. Inzwischen beisse ich nur noch sehr selten an, nämlich wenn ich das Gefühl habe, dass es mehr als ein Köder ist. Schlimmer finde ich den Druck der Medien, und tatsächlich auch die Frage, wie sich die Kirche selbst darstellt. Vielfach vermisse ich das nötige Selbstbewusstsein. Nicht die schreiende Kirche oder die jammernde Kirche (muss auch mal sein), sondern die streitende Kirche. Jene Kirche die mit aufrechtem Gang, mit viel Geduld, und auch bei Nachteilen, nicht von ihrem Weg abirrt. Zu oft erlebt man – und das ist wirklich viel schlimmer als die Angriffe, von denen die Schreiberin berichtet – dass die Schäfchen aus dem eigenen Stall der Kirche in den Rücken fallen. Sie versuchen sympathisch zu sein. So ist es bezeichnend, dass die Schreiberin folgende Antwort erhält:
„Weil die Kirche nicht zurückschlägt. Würde sie mit der PR-Macht eines richtigen Konzern-Multis die Kritiker aushebeln, einnebeln und justiziables säbeln, dann wäre es um einiges ruhiger. Solche Fan/Kritiker-Foren wie dieses hier, wären schon längst weggekauft oder von Systemagenten unterwandert. Was im Umkehrschluss bedeutet: Eine schwache, kritisierbare Kirche ist symphatischer als eine, die die veröffentlichte Meinung im Griff hätte.“
Wie kommt der Antwortende darauf? Vage schwingt das Wangenthema mit, aber ist es nicht die Grundlage für jeden fruchtbaren Dialog, dass weich in der Art, aber hart in der Sache, gestritten wird? Ist es nicht Grundbedingung für jeden fruchtbaren Dialog, dass Fairnis und Sachlichkeit eingefordert werden müssen, wenn sie fehlen? Latent schwingt in der Antwort jene rhetorische Figur mit, die aus der – berechtigten – Aussage der Schreiberin ein Gegenteil vorgaukelt, welches aber kein Gegenteil ist (…was wäre, wenn das Gegenteil eintritt). Der Antwortende unterstellt, dass das Gegenteil jener unfairen Angriffe auf die Kirche ein „Zurückschlagen mit der PR-Macht eines richtigen Konzerns“ wäre. Das ist aber nicht das Gegenteil, sondern Unfug.
Was für eine Bankrotterklärung an die Unfairnis: Eine schwache, kritisierbare Kirche sei sympathischer. Erstens geht es nicht nur um Sympathie, sondern auch um Wahrheit. Und Zweitens liegt in dem, was Schreiberin anklagt, keine Kritik vor, sondern Psycho-Terror.
Also: eben nicht klein beigeben, nicht versuchen nur sympathisch zu sein, sondern biete die andere Backe auch dar; sei also standhaft!