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Archiv für September 2007

Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt

29. September 2007 weberknecht Kommentieren

dann gib klein bei und laufe weg.

Manchmal gibt es noch interessante – oder besser gesagt: mich interessierende – Themen in Diskussionsforen. Unter der Überschrift:

Boah mann ich hab keinen BOCK MEHR….., ….wieso ist die RKK z Zt DER Prügelknabe??

lässt eine Schreiberin ihren Frust los:

Ich hab einfach keinen BOCK MEHR. Warum können wir Katholiken nicht, wie die Evangelen, FRIEDLICH unseren Glauben praktizieren, ohne STÄNDIG(!!!) von allen Seiten ANGEGRIFFEN und in die Ecke getrieben zu werden, dauernd muss ich mich auch hier in der Firma „rechtfertigen“

Vielleicht hängt es ja auch damit zusammen, dass man nicht mit jedem und zu jeder Zeit über den Glauben reden muss. Ich kenne genügend Leute, die mir einen Köder hinwerfen wollen, den ich schlucken soll, damit sie ihren Spass haben. Inzwischen beisse ich nur noch sehr selten an, nämlich wenn ich das Gefühl habe, dass es mehr als ein Köder ist. Schlimmer finde ich den Druck der Medien, und tatsächlich auch die Frage, wie sich die Kirche selbst darstellt. Vielfach vermisse ich das nötige Selbstbewusstsein. Nicht die schreiende Kirche oder die jammernde Kirche (muss auch mal sein), sondern die streitende Kirche. Jene Kirche die mit aufrechtem Gang, mit viel Geduld, und auch bei Nachteilen, nicht von ihrem Weg abirrt. Zu oft erlebt man – und das ist wirklich viel schlimmer als die Angriffe, von denen die Schreiberin berichtet – dass die Schäfchen aus dem eigenen Stall der Kirche in den Rücken fallen. Sie versuchen sympathisch zu sein. So ist es bezeichnend, dass die Schreiberin folgende Antwort erhält:

„Weil die Kirche nicht zurückschlägt. Würde sie mit der PR-Macht eines richtigen Konzern-Multis die Kritiker aushebeln, einnebeln und justiziables säbeln, dann wäre es um einiges ruhiger. Solche Fan/Kritiker-Foren wie dieses hier, wären schon längst weggekauft oder von Systemagenten unterwandert. Was im Umkehrschluss bedeutet: Eine schwache, kritisierbare Kirche ist symphatischer als eine, die die veröffentlichte Meinung im Griff hätte.“

Wie kommt der Antwortende darauf? Vage schwingt das Wangenthema mit, aber ist es nicht die Grundlage für jeden fruchtbaren Dialog, dass weich in der Art, aber hart in der Sache, gestritten wird? Ist es nicht Grundbedingung für jeden fruchtbaren Dialog, dass Fairnis und Sachlichkeit eingefordert werden müssen, wenn sie fehlen? Latent schwingt in der Antwort jene rhetorische Figur mit, die aus der – berechtigten – Aussage der Schreiberin ein Gegenteil vorgaukelt, welches aber kein Gegenteil ist (…was wäre, wenn das Gegenteil eintritt). Der Antwortende unterstellt, dass das Gegenteil jener unfairen Angriffe auf die Kirche ein „Zurückschlagen mit der PR-Macht eines richtigen Konzerns“ wäre. Das ist aber nicht das Gegenteil, sondern Unfug.

Was für eine Bankrotterklärung an die Unfairnis: Eine schwache, kritisierbare Kirche sei sympathischer. Erstens geht es nicht nur um Sympathie, sondern auch um Wahrheit. Und Zweitens liegt in dem, was Schreiberin anklagt, keine Kritik vor, sondern Psycho-Terror.

Also: eben nicht klein beigeben, nicht versuchen nur sympathisch zu sein, sondern biete die andere Backe auch dar; sei also standhaft!

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In Dedicatione S. Michaelis Archangeli

29. September 2007 weberknecht Kommentare aus

Fest der Einweihung der Kirche des hl. Erzengels Michael

I. Kl. — Farbe weiß

Der hl.Michael ist der Fürst der himmlischen Heerscharen; als Anführer der guten Engel bestand er den Kampf gegen Luzifer und seinen Anhang. Er war zum Beschützer des auserwählten Volkes be­stellt (Dan. 10,13 u. 12, 1) und wird auch vom Gottesvolk des Neuen Bundes als mächtiger Schirmherr, besonders als ritterlicher Schutz­patron Deutschlands, verehrt. Die heilige Kirche ruft ihn namentlich in den Kämpfen mit den Feinden Christi an; er ist Führer und Vor­bild der Streiter Christi. Seinem Schutze sind auch die scheidenden Seelen anvertraut. Der Name des Erzengels bedeutet: «Wer ist wie Gott?“ Sein Fest möge uns zum Eifer für Gottes Sache, zum tapferen Kriegsdienst für Gott anfeuern.
Die Verehrung des hl. Erzengels Michael ist in der Kirche uralt. Schon Kaiser Konstantin der Große erbaute ihm zu Ehren beim Vor­gebirge Hestiä am Bosporus eine Kirche.
Das heutige Fest war ursprünglich der Jahrestag der Weihe der St. Michaelskirche an der Via Salaria in Rom.
Im Introitus und Graduale vereinigen wir uns mit den hll. Engeln zum Lobpreis Gottes. In der Oratio gedenken wir aller hll. Engel. Der Engel, von dem in der Lectio die Rede ist und der dem hl. Johannnes die Geheimnisse des Himmels offenbarte, ist vielleicht der hl. Michael. Das Evangelium wurde wegen des letzten Satzes gewählt: «Die Engel der Kleinen schauen das Antlitz des himmlischen Vaters.» Der Engel mit dem Rauchfaß neben dem Altar, der im Offertorium erwähnt wird, ist wohl wieder der hl.Erzengel.

Graduale (Psalm 102, 20 u. 1:)

Preiset den Herrn, ihr alle Seine Engel, ihr Gewaltigen, die ihr Seinen Willen vollzieht, Lobsinge dem Herrn, meine Seele; alles in mir singe das Lob Seines heiligen Namens. Alleluja, alleluja. Hl. Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe, auf daß wir nicht zu Grunde gehen im schrecklichen Gerichte. Alleluja.

Postcommunio

Auf die Fürsprache Deines hl. ErzengelsMichael gestützt, flehen wir zu Dir, o Herr, in Demut: laß uns, was wir mit dem Munde empfangen, auch im Geiste auf nehmen. Durch unsern Herrn.

(Aus: Schott, Römisches Meßbuch, Ausgabe 1962)

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Leitlinien der DBK für die überlieferte Messe

28. September 2007 weberknecht Kommentieren

Auf der Herbstkonferenz der Deutschen Bischofskonferenz wurden die Leitlinien für die deutschen Diözesen zur Umsetzung des Apostolischen Schreibens „summorum pontificum“ veröffentlicht.

Während die Leitlinien auf den ersten Blick vernünftig erscheinen, bieten sie auf den zweiten Blick jedoch einige problematische Stellen. Sie sind auf eine Weise formuliert, die nicht darauf schließen lassen, dass es in der Absicht der Verfasser lag. Sie bieten aber interessierten Kreisen ungewollte Angriffspunkte.

Ein Beispiel:

AD 1: Die Zulassung der außerordentlichen Form darf nicht bestehende Spannungen verstärken oder gar neue Spaltungen hervorrufen

Damit hat man den nicht wenigen Gegnern ein Instrument in die Hand gegeben. Wer die Alte Messe verhindern will, brauch nur Spannungen zu verstärken (Zank im PGR) oder Spaltungen hervorzurufen (Offene Abwanderung in andere Gemeinden).

AD 4: Wenn Gruppen aus Mitgliedern verschiedener Pfarreien bzw. Pfarrverbänden oder Seelsorgeeinheiten bestehen, ist der Antrag an den Diözesanbischof zu richten.

Faktisch werden damit die Pfarrgemeinden von der Zuständigkeit für das Motu Proprio befreit. Denn wohl nur in Großstädten findet sich eine genügend grosse Zahl, um innerhalb einer Gemeinde den Antrag zu stellen. Damit hat der Diözesanbischof letztlich wieder das Genehmigungsrecht, welches der Heilige Vater eigentlich mit dem Motu Proprio aufheben wollte.

AD 6: Die notwendige Eignung der Priester …umfasst folgende Anforderungen:
- Allgemeine Eignung, die jeder Priester besitzen muss;

- Vertrautheit mit der außerordentlichen Form des Ritus;
- lateinische Sprachkenntnisse.

Das ist etwas lustig und auch traurig. Denn es ist ein Eingeständnis, dass die heutigen Priester kaum über lateinische Sprachkenntnisse verfügen, obwohl es zur Ausbildung gehört. Dass man zur Zelebration des Alten Ritus mit diesem auch vertraut sein sollte, das ähem, versteht sich doch wohl von alleine. Nun gut, man hätte auch ein Zertifikat fordern können, insofern ist es ok. Die Allgemeine Eignung zum Priestertum scheint demnach auch nicht mehr bei allen Priestern vorhanden zu sein, oder wozu diese Klarstellung?

AD 9: Vom Recht zur Errichtung von Personalpfarreien für die Feier in der außerordentlichen Form des römischen Ritus (SP Art. 10) werden die deutschen Diözesanbischöfe bis auf weiteres keinen Gebrauch machen.

Das wiederum ist sehr schade, denn so hätte man die Außenseiterrolle mancher Anhänger des Alten Ritus lindern können. Aber faktisch ist das auch nicht mehr so wichtig.

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Levitenamt zum Fest des Erzengels Michael

24. September 2007 weberknecht Kommentieren

Levitenamt zum Fest des Erzengels Michael
am 29. September in St. Pantaleon

Zum Fest des Erzengels Michael
veranstaltet die Priesterbruderschaft St. Petrus
um 10.30 Uhr ein levitiertes Hochamt
in St. Pantaleon, Am Pantaleonsberg, 50676 Köln.

Einladung zum Gottesdienst

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Kinderschaden

20. September 2007 weberknecht Kommentieren

Der Spiegel berichtet über ein „lesbisches Paar„, welches einen Arzt auf Schadenersatz verklagt, weil es nach einer künstlichen Befruchtung Zwillinge bekommen hat – statt nur eines Kindes.

Die Nachricht zeigt die unglaubliche Denkweise in jenen Kreisen, die das klassische Familienbild einer verqueren Ideologie opfern. Die Idee einer gleichgeschlechtlichen Lebensform hat nicht nur den Makel, dass sie mangels Fortpflanzungsmöglichkeiten stets vom Aussterben bedroht ist (das ist die evolutionäre Konsequenz; Selektion der Arten eben). Ihr Dilemma löst sie mit einer erzwungenen Fortpflanzung, die ausgerechnet ihren höchsten Antrieb – die körperliche Liebe – beiseite schiebt. Doch als auch das schief ging, greift man kurzerhand auf jene Regelung des Sachenrechts zurück, die einen entstandenen materiellen Schaden beheben soll.

Man kann nur hoffen, dass den Neugeborenen Wesen die Gnade Gottes frühzeitig den Weg weist, um sich aus den Fängen solcher Kinderschlächter zu befreien. Unsere Gesellschaft scheint nicht mehr dazu in der Lage zu sein. Es widert einen an.

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Und schon rudert er zurück

18. September 2007 weberknecht Kommentieren

Hier ist die prophezeite Entschuldigung Kardinal Meisners.

Und Paul Badde bemüht sich um Schadensbegrenzung.

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Kardinal Meisners Art

17. September 2007 weberknecht Kommentieren

Nun hat es sich Kardinal Meisner geleistet, den Medien ebenfalls auf den Leim zu gehen. Was bei ihm allerdings nicht das erste Mal ist. Leider kann man davon ausgehen, dass er sich entschuldigen wird, aber das macht die Sache nur noch schlimmer. Was hat er also gesagt?

„Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte.“

Man stört sich wohl am deutschen Wort „entartet“, so ist denn auch nicht verständlich, warum Kardinal Meisner nicht die lateinische Variante nimmt, die weitaus treffender ist, und nicht durch die nicht mehr ganz so junge deutsche Geschichte belastet ist. Also:

„Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur degeneriert. Sie verliert ihre Mitte.“

Noch Fragen? Ich stimme übrigens Kardinal Meisner zu, weil ich aus dem Märchen „Des Kaisers Neue Kleider“ gelernt habe. Abstrakte Kunst ist nackt. Im übrigen gilt auch hier, was ich an anderer Stelle bereits schrieb:

Ich kann es nicht verstehen, warum immer wieder intelligente, und im Umgang mit der öffentlichen Wahrnehmung vertraute Menschen sich diese Ungeschicklichkeit leisten müssen, und das Thema 3. Reich – und sei es auch nur in einem Halbsatz – anschneiden.

Wer sich auf eine Gegenposition zum Mainstream stellt – oder auch nur streitbar ist, muss damit rechnen, in die Hitlerzeit gelockt zu werden, um mundtot gemacht zu werden. Es sollte oberstes Gebot sein, das Thema auf Biegen und Brechen zu meiden. Es ist ein sicheres Spiel für die Gegenseite, wenn ihr die Argumente ausgehen.

In Bezug auf Meisners Initiative ist es um so bedauernswerter, da er gar nicht die Kunst an sich kritisieren wollte, sondern den Verlust der Gottesverehrung. Ist das nicht die Aufgabe eines jeden Christen, erst Recht eines Kirchenfürsten, und insbesondere die des Kölner Erzbischofs? Was soll er denn eigentlich sonst sagen?

Hier liegt binnen kurzem ein weiterer Beleg für die Erosion der Meinungsfreiheit in unserem Lande vor. Gottloser Mief.

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Schulungen zum Missale von 1962

16. September 2007 weberknecht Kommentieren

Die Laienvereinigung Pro Missa Tridentina berichtet zur Zeit von aktuellen Schulungen zum Missale von 1962. Interessierte Priester können dort lernen, wie man im Alten Ritus zelebriert. Das ist eine sehr gute Idee, denn das Interesse der Gläubigen nützt nichts, wenn man um sich herum lauter eidotterbekleckerte Geweihte und Nichtgeweihte vorfindet, oder auch nur eine Citypastoral. Übrigens legt aus Kardinal Hoyos in seinem Interview den Schwerpunkt auf den Erlaubnischarakter des Motu Proprios. Manchen Priestern schlottern wohl die Knie, da sie nun im Alten Ritus zelebrieren müssten. Gott bewahre! Nein, niemand wird zu etwas verpflichet, es wird lediglich gestattet, und zwar jedem Priester. Das heisst, die Diskussion um eine „stabile Gruppe von Gläubigen“ ist ja nur die eine Seite der Medaille. Wenn ein Priester aber wieder zu jener glorreichen Liturgie längst verblichener Tage findet, dann braucht er keine bereits existierende „stabile Gruppe“, er kann sie schaffen.

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Die Krise

14. September 2007 weberknecht Kommentieren

Schlägt man in diesen Wochen die Gazetten auf, besser gesagt die Wirtschaftsnachrichten, so kann einem Angst und Bange werden. Nicht etwa, dass eine besondere Panik in den Zeitschriften verbreitet wird. Nein die Berichte zeichnen sich nicht in besonderer Weise durch Sensationslust aus. Es ist die Ruhe, mit der über einen Paradigmenwechsel berichtet wird, der in den vergangenen Jahren die Märkte durchzieht.

Zum einen sind es die Vorräte an Erdöl, welche schon seit einigen Jahren thematisiert werden. Obwohl sich der Rohölpreis seit einigen Jahren vervierfacht hat, scheint dies von den Volkswirtschaften verkraftet zu werden. Nach meiner Überzeugung hat die Klimawandeldiskussion auch lediglich die Funktion, vom knapper werdenden Öl abzulenken und die Bereitschaft in der Bevölkerung zu erhöhen, andere Wege einzuschlagen. Man kann sich kaum ausdenken, was passieren würde, wenn tatsächlich manifestiert würde, dass kein neues Erdöl mehr gefördert werden könnte. De facto ist es aber so, dass nun die Nachfrage konstant anwächst, während nichts Neues mehr nachkommt. Der Ölmarkt steht erst am Anfang einer gewaltigen Preisspirale. Ich gebe einmal einen Tipp ab, und prognostiziere für das Jahr 2020 eine Rohölpreis von 400 Dollar pro Barrel. Zum Vergleich würde der Liter Diesel dann vielleicht 5€ Liter kosten, bezogen auf den heutigen Preisindex.

Zum anderen kollabieren zur Zeit die Geld- und Immobilienmärkte in den USA und in Europa. Die Kreditklemme, welche nunmehr absehbar ist, wird sich noch über Jahre verschärfen. Ich rechne damit, dass es in den nächsten zehn Jahren zu einem drastischen Preisverfall für Immobilien kommt, da der Markt weder Liquidität besitzt noch große Teile der Bevölkerung die Kosten für eine Immobilie aufbringen können (zumindest solange sie überwiegend fremdfinanziert sind).

Wir stehen am Anfang einer langjährigen Baisse. Aber vielleicht hilft sie ja der einen oder anderen verlorenen Seele, wieder zu Gott zu finden.

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Eva Herman und die 68er

11. September 2007 weberknecht Kommentieren

Eva Herman, die ehemalige Tagesschau-Sprecherin, wurde vom NDR fristlos entlassen. Der Grund war eine Äußerung, die im Zusammenhang mit ihrem neuen Buch „Das Prinzip Arche Noah“ Bezug auf die nicht mehr so neuere deutsche Geschichte nahm.

Die Meinung, die Eva Herman wohl eigentlich frei äußern wollte, war eine Kritik am Familienbild der 68er. Jene verfolgten in den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Ideen, die sich vor allem am „kleinbürgerlichen Spießertum“ störten. Wikipedia erläutert dazu:

Mitglieder der Münchner Subversiven Aktion (wie Dieter Kunzelmann) und des Berliner SDS (wie Rudi Dutschke und Bernd Rabehl) überlegten, wie man sich von als spießig und kleinbürgerlich empfundenen Vorstellungen lösen könne.

Dieter Kunzelmann hatte die Idee, eine Kommune zu gründen. Man beschloss, ein Leben der leidenschaftlich an sich selbst Interessierten zu versuchen. Kunzelmann zog bald nach Berlin. Dort gab es im SDS einen ersten Kommune-Arbeitskreis, der folgende Ideen verfolgte:

* Aus der Kleinfamilie entstehe der Faschismus. Sie sei die kleinste Zelle des Staates, aus deren unterdrückerischem Charakter sich alle Institutionen ableiten.
* Mann und Frau lebten in Abhängigkeit voneinander, so dass keiner von beiden sich frei zum Menschen entwickeln könne.
* Diese Zelle (also die Kleinfamilie) müsse zerschlagen werden.

Der Zerschlagung der Kleinfamilie ist unserer Gesellschaft recht nahe gekommen, wenn auch nicht auf dem Weg der Kommunarden. Aber Vereinsamung, Single-Dasein oder Patchworkfamilien sind durchaus üblich und gelten auch als Ausdruck persönlicher Freiheit, manchmal auch Hilflosigkeit.

In vielen Fällen mag die Betroffenen keine Schuld treffen, und sei es nur, weil ihnen die Lebensform der „kleinbürgerlichen Spießer“-Familie als nicht erstrebenswert vorgegaukelt wurde. Aber eines sollte doch in unserem Lande möglich sein: Dass man die Frage des klassischen Familienbildes thematisieren darf und nicht auf die Art und Weise des früheren Radikalenerlasses bei kontroversen Ansichten „aus dem öffentlichen Dienst“ entfernt wird, wie man es nun mit Eva Herman getan hat.

Ihren mißglückten Schlenker in die nicht mehr neuere deutsche Geschichte hat man wohl als willkommenen Anlass genommen, um sie loszuwerden. Weil sie nicht mit dem Mainstream wollte.

Der Spießer von damals wird zu APO von heute.

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